Wechselwirkungen von Beruhigungsmitteln und CBD-Ölen mit L-Tryptophan

Wechselwirkungen von Beruhigungsmitteln und CBD Ölen mit L Tryptophan

Vor kurzem hat uns ein Fallbericht aus der Praxis erreicht: Eine Katze erhielt das Beruhigungsmittel Alprazolam. Der empfohlene zeitliche Abstand von zwei Stunden zu CBD wurde eingehalten. Anschließend erhielt die Katze ein CBD-Öl mit L-Tryptophan. Statt ruhig und entspannt zu wirken, wurde sie plötzlich extrem aktiv – laut Tierhalter „wie ein Duracell-Hase“.

Dieses Beispiel zeigt, warum bei CBD und Beruhigungsmitteln besondere Vorsicht sinnvoll ist. Ein zeitlicher Abstand kann mögliche Überschneidungen reduzieren, schließt Wechselwirkungen aber nicht grundsätzlich aus.

 

CBD und Beruhigungsmittel: Warum Reaktionen unterschiedlich ausfallen können

Medikamente verbleiben je nach Wirkstoff unterschiedlich lange im Körper. Deshalb bedeutet ein zeitlicher Abstand zwischen zwei Gaben nicht automatisch, dass der erste Wirkstoff bereits vollständig abgebaut wurde.

Hinzu kommt, dass Tiere individuell auf beruhigende Medikamente reagieren können. In seltenen Fällen kann sogar das Gegenteil der erwarteten Wirkung auftreten: Statt ruhiger zu werden, zeigt das Tier beispielsweise Unruhe, Erregung oder auffällige Aktivität.

Ob und in welchem Umfang CBD eine solche Reaktion beeinflusst hat, lässt sich anhand eines einzelnen Fallberichts nicht feststellen.

 

Paradoxe Reaktionen auf Beruhigungsmittel

Bei einigen zentral wirksamen Medikamenten sind sogenannte paradoxe Reaktionen möglich. Dabei tritt statt der erwarteten Beruhigung beispielsweise Unruhe oder Erregung auf.

Eine solche Reaktion kann bereits durch das verwendete Medikament selbst entstehen. Tritt sie nach der zusätzlichen Gabe eines CBD-Produktes auf, lässt sich deshalb nicht automatisch daraus schließen, dass CBD die Ursache war.

Dennoch sollte eine ungewöhnliche Reaktion ernst genommen werden – insbesondere dann, wenn mehrere Substanzen gleichzeitig oder in kurzem zeitlichem Abstand gegeben wurden.

 

Was ist über mögliche Wechselwirkungen bekannt?

 

CBD und der Medikamentenstoffwechsel

CBD wird im Körper unter Beteiligung verschiedener Enzymsysteme verstoffwechselt. Gleichzeitig kann CBD den Stoffwechsel bestimmter Arzneimittel beeinflussen.

Welche Enzyme dabei eine Rolle spielen und wie relevant eine mögliche Wechselwirkung tatsächlich ist, hängt unter anderem vom Wirkstoff und von der Tierart ab. Ergebnisse aus Untersuchungen beim Menschen lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf Katzen, Hunde oder Pferde übertragen.

Auch in der Veterinärmedizin wird bei der gleichzeitigen Anwendung von CBD und verschiedenen Medikamenten zur Vorsicht geraten. Dazu gehören unter anderem Benzodiazepine und andere Wirkstoffe, die das zentrale Nervensystem dämpfen.

 

CBD und Alprazolam

Alprazolam gehört zu den Benzodiazepinen. Für die Kombination von Cannabidiol und Alprazolam werden mögliche additive Wirkungen auf das zentrale Nervensystem beschrieben.

Dadurch können unerwünschte Wirkungen theoretisch stärker ausgeprägt sein. Wie relevant diese Wechselwirkung bei einer einzelnen Katze ist, lässt sich jedoch nicht allein aus Daten beim Menschen ableiten.

 

L-Tryptophan als zusätzlicher Bestandteil

L-Tryptophan ist eine Aminosäure und eine Vorstufe von Serotonin. Deshalb sollte bei Produkten mit L-Tryptophan zusätzlich berücksichtigt werden, welche Medikamente oder Ergänzungsfuttermittel ein Tier bereits erhält.

Besonders wichtig ist eine tierärztliche Rücksprache, wenn gleichzeitig Medikamente eingesetzt werden, die das serotonerge System beeinflussen.

 

Beispiel Canna Oil DUO 6+3

Canna Oil DUO 6+3 kombiniert CBD mit L-Tryptophan. Deshalb sollte vor der gleichzeitigen Anwendung mit Beruhigungsmitteln oder anderen zentral wirksamen Medikamenten geklärt werden, ob die Kombination für das betreffende Tier sinnvoll ist.

Der oben beschriebene Fall zeigt dabei vor allem eines: Auch wenn zwischen den Gaben ein zeitlicher Abstand eingehalten wurde, können unerwartete Reaktionen auftreten.

Aus einem einzelnen Fall lässt sich jedoch nicht ableiten, welcher Bestandteil die Reaktion verursacht oder beeinflusst hat.

 

Wechselwirkungen sind nicht auf CBD-Öle mit L-Tryptophan beschränkt

Mögliche Wechselwirkungen betreffen nicht ausschließlich CBD-Produkte mit L-Tryptophan.

Auch bei CBD-Ölen ohne diesen Zusatz muss berücksichtigt werden, dass CBD mit verschiedenen Medikamenten interagieren kann. Das gilt ebenfalls für DUO-Öle mit anderen zusätzlichen Inhaltsstoffen.

Deshalb ist nicht nur entscheidend, welches CBD-Öl verwendet wird. Ebenso wichtig ist, welche Medikamente und Ergänzungsfuttermittel das Tier gleichzeitig erhält.

 

Worauf Tierhalter achten sollten

  • Ein zeitlicher Abstand zwischen CBD und einem Medikament schließt eine Wechselwirkung nicht grundsätzlich aus.
  • Gib dem Tier nicht eigenständig zusätzliche Beruhigungsmittel, wenn bereits ein CBD-Produkt eingesetzt wird.
  • Setze ein verordnetes Medikament nicht eigenständig ab und verändere die Dosierung nicht ohne Rücksprache mit dem Tierarzt.
  • Informiere den behandelnden Tierarzt darüber, wenn dein Tier CBD erhält.
  • Prüfe bei CBD-Produkten mit zusätzlichen Inhaltsstoffen, welche weiteren Wirkstoffe enthalten sind.
  • Beobachte dein Tier nach einer neuen Kombination besonders aufmerksam.

Eine Übersicht über mögliche Wechselwirkungen von CBD mit verschiedenen Medikamentengruppen bei Haustieren findest du beispielsweise bei VCA Animal Hospitals. Dort werden unter anderem Benzodiazepine und weitere zentral dämpfende Medikamente genannt.

 

Wann sollte ein Tierarzt kontaktiert werden?

Tierärztlicher Rat ist insbesondere sinnvoll, wenn nach der Gabe ungewöhnliche oder starke Veränderungen auftreten.

Dazu gehören beispielsweise:

  • ausgeprägte Müdigkeit oder ungewöhnlich starke Erregung
  • deutliche Koordinationsprobleme
  • starkes Zittern oder Krämpfe
  • wiederholtes Erbrechen
  • verlangsamte, auffällige oder angestrengte Atmung
  • andere plötzlich auftretende deutliche Verhaltensänderungen

Bei schweren oder rasch zunehmenden Symptomen sollte das Tier umgehend tierärztlich untersucht werden.

 

Fazit

CBD und Beruhigungsmittel können sich in ihrer Wirkung beeinflussen. Wie relevant eine mögliche Wechselwirkung ist, hängt jedoch vom jeweiligen Medikament, der Dosierung, dem verwendeten CBD-Produkt und vom einzelnen Tier ab.

Auch ein zeitlicher Abstand bietet keine Garantie dafür, dass sich die Wirkungen verschiedener Substanzen nicht überschneiden.

Der beschriebene Fall mit Alprazolam, CBD und L-Tryptophan zeigt eine ungewöhnliche Reaktion, beweist aber nicht, welcher Bestandteil dafür verantwortlich war. Gerade deshalb ist es sinnvoll, bei der Kombination von CBD mit Beruhigungsmitteln vorsichtig zu sein und eine geplante gemeinsame Anwendung mit dem behandelnden Tierarzt abzusprechen.

 

Quellen

  • Merck Veterinary Manual: Informationen zu CBD bei Hunden und Katzen
  • VCA Animal Hospitals: Cannabidiol (CBD) – mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten
  • Court MH et al. (2024): Cannabidiol and cannabidiolic acid: Preliminary in vitro evaluation of metabolism and drug-drug interactions involving canine cytochrome P-450, UDP-glucuronosyltransferase, and P-glycoprotein. Journal of Veterinary Pharmacology and Therapeutics
  • Drugs.com: Cannabidiol und Alprazolam – mögliche Wechselwirkungen

 

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