Pferde mit PSSM1 wirken häufig steif, zeigen Leistungsabfall oder entwickeln nach Belastung schmerzhafte Muskelprobleme. Für viele Besitzer beginnt die Suche nach der Ursache erst, wenn ihr Pferd immer wieder auffällig wird und sich trotz Training oder angepasster Haltung nicht dauerhaft verbessert.
Die gute Nachricht: Heute weiß man deutlich mehr über diese Erkrankung als noch vor einigen Jahren. PSSM1 gehört zu den genetisch am besten erforschten Muskelerkrankungen beim Pferd und lässt sich zuverlässig diagnostizieren. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht es, Fütterung, Bewegung und das tägliche Management gezielt anzupassen.
Auch wenn PSSM1 bislang nicht heilbar ist, können viele betroffene Pferde mit einer passenden Betreuung über viele Jahre ein aktives und weitgehend beschwerdearmes Leben führen.
In diesem Artikel erfährst du,
- was PSSM1 genau ist,
- welche Pferde besonders häufig betroffen sind,
- woran du die Erkrankung erkennen kannst,
- wie die Diagnose gestellt wird,
- und welche Möglichkeiten es gibt, dein Pferd im Alltag bestmöglich zu unterstützen.
Was ist PSSM1?
PSSM1 steht für Polysaccharid-Speicher-Myopathie Typ 1.
Dabei handelt es sich um eine erblich bedingte Muskelerkrankung, bei der die Muskulatur Kohlenhydrate nicht mehr vollständig normal verarbeitet. Durch eine Veränderung im sogenannten GYS1-Gen wird in den Muskelzellen dauerhaft zu viel Glykogen gebildet und eingelagert. Gleichzeitig entstehen ungewöhnlich aufgebaute Polysaccharide, die von den Muskeln nur eingeschränkt genutzt werden können.
Die Folge ist ein gestörter Energiestoffwechsel.
Während gesunde Muskeln ihre Energiereserven je nach Belastung flexibel bereitstellen können, fällt dies Pferden mit PSSM1 deutlich schwerer. Besonders bei körperlicher Anstrengung kann es dadurch zu Muskelverspannungen, Schmerzen oder sogar einem sogenannten Kreuzverschlag kommen.
Ist PSSM1 vererbbar?
Ja.
PSSM1 wird autosomal-dominant vererbt. Das bedeutet, dass bereits eine veränderte Genkopie ausreicht, damit ein Pferd die Erkrankung entwickeln kann.
Für die Zucht ist das besonders wichtig:
- Ein betroffenes Pferd kann die Mutation mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent an seine Nachkommen weitergeben.
- Trägt ein Pferd zwei veränderte Genkopien, können die Symptome häufig ausgeprägter sein.
Aus diesem Grund spielt der Gentest heute nicht nur für die Diagnose, sondern auch für verantwortungsvolle Zuchtentscheidungen eine wichtige Rolle.
Welche Pferde sind besonders häufig betroffen?
Grundsätzlich kann PSSM1 bei verschiedenen Pferderassen auftreten.
Besonders häufig wird die Erkrankung jedoch bei folgenden Rassen festgestellt:
- Quarter Horses
- Paint Horses
- Appaloosas
- Belgiern
- Percherons
- Shires
- Haflingern
- einigen Warmblutlinien
- weiteren Kaltblutrassen
Insgesamt wurde die verantwortliche Genmutation bereits in zahlreichen Pferderassen nachgewiesen.
Welche Symptome verursacht PSSM1?
Nicht jedes betroffene Pferd zeigt dieselben Beschwerden.
Manche Tiere fallen bereits in jungen Jahren auf, während andere über längere Zeit kaum Symptome entwickeln. Außerdem können Stress, Fütterung und Trainingszustand beeinflussen, wie stark sich die Erkrankung bemerkbar macht.
Zu den häufigsten Anzeichen gehören:
- Muskelsteifheit
- kurze, verspannte Bewegungen
- Schwierigkeiten beim Antraben
- Leistungsabfall
- Bewegungsunlust
- Muskelzittern
- Muskelverhärtungen
- Schweißausbrüche ohne erkennbare Ursache
- Berührungsempfindlichkeit der Muskulatur
- wiederkehrender Kreuzverschlag
- Probleme beim Rückwärtsrichten
- Schwierigkeiten beim Bergaufgehen
- Lahmheiten ohne eindeutigen orthopädischen Befund
Viele Besitzer berichten außerdem, dass ihre Pferde an manchen Tagen völlig unauffällig erscheinen, während sie an anderen Tagen deutlich steifer laufen oder sich nur widerwillig bewegen möchten.
Warum entstehen die Beschwerden?
Muskelarbeit benötigt ständig Energie.
Normalerweise speichern Pferde überschüssige Glukose als Glykogen und greifen bei Belastung wieder darauf zurück.
Bei PSSM1 funktioniert dieser Kreislauf nicht mehr optimal.
Durch die Mutation im GYS1-Gen produziert die Muskulatur kontinuierlich große Mengen Glykogen. Gleichzeitig entstehen abnorme Speicherstoffe, die den Muskelstoffwechsel beeinträchtigen können. Unter Belastung reicht die Energieversorgung deshalb häufig nicht aus, obwohl eigentlich genügend Energiereserven vorhanden wären.
Die Folge können sein:
- Muskelkrämpfe
- Schmerzen
- Entzündungsreaktionen
- Muskelfaserschäden
- eingeschränkte Leistungsfähigkeit
Wie wird PSSM1 diagnostiziert?
Heute ist die Diagnose deutlich einfacher als noch vor einigen Jahren.
Da die verursachende Genmutation bekannt ist, kann PSSM1 zuverlässig durch einen Gentest nachgewiesen werden.
Hierfür genügt in der Regel:
- einige Mähnenhaare mit Wurzel
- oder eine Blutprobe
Der Gentest gilt als sehr zuverlässig und ersetzt bei Verdacht häufig aufwendigere Untersuchungen.
Zusätzlich kann dein Tierarzt weitere Untersuchungen durchführen, beispielsweise:
- klinische Untersuchung
- Blutuntersuchung (z. B. Muskelenzyme)
- Beurteilung des Bewegungsbildes
- gegebenenfalls weitere diagnostische Verfahren, wenn andere Erkrankungen ausgeschlossen werden sollen
PSSM1 oder PSSM2 – wo liegt der Unterschied?
Viele Pferdehalter stoßen bei ihrer Recherche auch auf den Begriff PSSM2.
Obwohl die Namen ähnlich klingen, handelt es sich nicht um dieselbe Erkrankung.
Bei PSSM1 ist die genetische Ursache eindeutig bekannt. Die Mutation im GYS1-Gen wurde wissenschaftlich nachgewiesen und kann zuverlässig getestet werden.
Bei PSSM2 ist die Situation deutlich komplexer.
Nach heutigem Forschungsstand handelt es sich vermutlich nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um verschiedene Muskelerkrankungen mit ähnlichen Symptomen. Für die häufig angebotenen kommerziellen Gentests (P2, P3, P4 usw.) existiert derzeit keine ausreichende wissenschaftliche Validierung. Fachleute empfehlen deshalb, diese Ergebnisse nicht als alleinige Diagnosegrundlage zu verwenden.
Aus diesem Grund konzentriert sich dieser Artikel ausschließlich auf das wissenschaftlich gut abgesicherte PSSM1.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Eine ursächliche Heilung gibt es derzeit leider nicht.
Das bedeutet jedoch nicht, dass betroffene Pferde dauerhaft starke Beschwerden haben müssen.
Im Mittelpunkt stehen vielmehr Maßnahmen, die den Muskelstoffwechsel möglichst gut unterstützen und die Belastung der Muskulatur reduzieren.
Dazu gehören vor allem:
- eine angepasste Fütterung
- regelmäßige Bewegung
- ein individuell abgestimmtes Training
- ausreichend Erholungsphasen
- die Behandlung akuter Beschwerden durch den Tierarzt
Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser lassen sich diese Maßnahmen an das einzelne Pferd anpassen.
Die richtige Fütterung spielt eine entscheidende Rolle
Die Ernährung gehört zu den wichtigsten Bausteinen im Management von PSSM1.
Da die Muskulatur bereits zu viel Glykogen speichert, sollte die Aufnahme schnell verfügbarer Kohlenhydrate möglichst begrenzt werden. Deshalb empfehlen viele Spezialisten eine Fütterung mit einem niedrigen Gehalt an nicht-strukturellen Kohlenhydraten (NSC). Gleichzeitig muss die Ration selbstverständlich weiterhin den individuellen Energiebedarf des Pferdes decken.
Je nach Situation können beispielsweise sinnvoll sein:
- zuckerarmes Raufutter
- angepasste Kraftfuttermenge
- ausreichend hochwertiges Eiweiß
- gegebenenfalls zusätzliche Fettquellen als Energielieferant
- bedarfsgerechte Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen
Welche Fütterung für dein Pferd geeignet ist, sollte immer gemeinsam mit deinem Tierarzt oder einer qualifizierten Pferdeernährungsberatung festgelegt werden.
Bewegung ist wichtiger als Schonung
Viele Besitzer vermuten zunächst, dass ein betroffenes Pferd möglichst geschont werden sollte.
Bei PSSM1 ist häufig genau das Gegenteil der Fall.
Regelmäßige Bewegung hilft der Muskulatur dabei, gespeichertes Glykogen besser zu nutzen und den Stoffwechsel zu unterstützen. Deshalb gilt ein gut geplanter Trainingsalltag heute als einer der wichtigsten Bestandteile des Managements.
Wichtig sind dabei unter anderem:
- tägliche Bewegung
- sorgfältiges Aufwärmen
- langsamer Trainingsaufbau
- Vermeidung langer Trainingspausen
- Anpassung der Belastung an den Gesundheitszustand des Pferdes
Nicht jedes Pferd verträgt dieselbe Trainingsintensität. Deshalb sollte der Trainingsplan immer individuell erstellt und regelmäßig überprüft werden.
Kann CBD Pferde mit PSSM1 begleitend unterstützen?
PSSM1 lässt sich durch CBD nicht heilen und auch die genetische Ursache der Erkrankung kann dadurch nicht beeinflusst werden.
Dennoch interessieren sich viele Pferdehalter für CBD, wenn ihr Pferd aufgrund der Muskelproblematik unter Schmerzen, Verspannungen oder einer eingeschränkten Lebensqualität leidet.
Das Endocannabinoid-System spielt unter anderem eine Rolle bei der Regulation von Schmerzempfinden, Entzündungsprozessen und dem allgemeinen körperlichen Gleichgewicht. Wissenschaftliche Untersuchungen zu CBD beim Pferd befinden sich zwar noch im Aufbau, dennoch zeigen erste Studien sowie praktische Erfahrungen, dass CBD von vielen Pferden gut vertragen wird.
Je nach individueller Situation kann CBD daher als begleitende Unterstützung in Betracht gezogen werden – immer ergänzend zu einer tierärztlichen Betreuung sowie einem angepassten Fütterungs- und Trainingsmanagement.
Viele Pferdehalter berichten insbesondere von einer Unterstützung bei:
- allgemeinem Wohlbefinden
- Bewegungsfreude
- Muskelentspannung
- Stress und Nervosität
- Regeneration nach Belastung
Dabei sollte jedes Pferd individuell betrachtet werden. Wie stark ein Pferd von CBD profitieren kann, hängt unter anderem von der Ausprägung der Erkrankung, dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem gesamten Management ab.
Warum ein ganzheitlicher Ansatz so wichtig ist
PSSM1 ist keine Erkrankung, die sich mit einer einzelnen Maßnahme erfolgreich behandeln lässt.
Erst das Zusammenspiel verschiedener Faktoren trägt dazu bei, den Muskelstoffwechsel möglichst gut zu unterstützen und Beschwerden zu reduzieren.
Dazu gehören insbesondere:
- eine frühzeitige Diagnose
- eine individuell angepasste Fütterung
- regelmäßige Bewegung
- ein sinnvoll aufgebautes Training
- ausreichende Erholungsphasen
- regelmäßige tierärztliche Kontrollen
- bei Bedarf ergänzende unterstützende Maßnahmen wie CBD
Je konsequenter diese Bereiche aufeinander abgestimmt werden, desto größer ist die Chance, dass betroffene Pferde langfristig aktiv und belastbar bleiben.
Fazit
PSSM1 gehört zu den am besten erforschten genetischen Muskelerkrankungen beim Pferd. Durch die heute verfügbaren Gentests lässt sich die Erkrankung zuverlässig diagnostizieren, sodass Fütterung, Bewegung und Haltung frühzeitig angepasst werden können.
Auch wenn PSSM1 derzeit nicht heilbar ist, bedeutet die Diagnose keineswegs das Ende eines aktiven Pferdelebens. Viele betroffene Pferde können mit einem gut durchdachten Management über viele Jahre leistungsfähig und lebensfroh bleiben.
CBD stellt dabei keine Behandlung der Erkrankung dar. Es kann jedoch – je nach individueller Situation – eine sinnvolle begleitende Unterstützung sein, um das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität des Pferdes zu fördern.
Eine enge Zusammenarbeit mit dem Tierarzt bleibt dabei die wichtigste Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Betreuung.
Häufige Fragen zu PSSM1 beim Pferd
Ist PSSM1 heilbar?
Nein. PSSM1 ist eine genetisch bedingte Erkrankung und kann derzeit nicht geheilt werden. Durch ein angepasstes Management lassen sich die Beschwerden jedoch häufig deutlich verbessern.
Wie wird PSSM1 festgestellt?
Die sicherste Diagnose erfolgt über einen Gentest. Dafür werden in der Regel Mähnenhaare mit Wurzel oder eine Blutprobe benötigt.
Kann ein Pferd mit PSSM1 geritten werden?
In vielen Fällen ja. Voraussetzung ist ein individuell angepasstes Trainingsprogramm sowie eine auf die Erkrankung abgestimmte Fütterung. Ob und in welchem Umfang ein Pferd belastbar ist, sollte immer gemeinsam mit dem Tierarzt beurteilt werden.
Welche Rolle spielt die Ernährung?
Die Ernährung ist einer der wichtigsten Bestandteile des Managements. Ziel ist es, den Muskelstoffwechsel möglichst optimal zu unterstützen und starke Schwankungen im Kohlenhydratstoffwechsel zu vermeiden.
Kann CBD PSSM1 heilen?
Nein. CBD kann die genetische Ursache von PSSM1 nicht beeinflussen und ersetzt keine tierärztliche Behandlung. Je nach individueller Situation kann es jedoch als begleitende Unterstützung eingesetzt werden.
Ist PSSM1 dasselbe wie PSSM2?
Nein. PSSM1 besitzt eine eindeutig bekannte genetische Ursache und lässt sich zuverlässig per Gentest nachweisen. PSSM2 umfasst nach heutigem Wissensstand vermutlich verschiedene Muskelerkrankungen und wird weiterhin intensiv erforscht.
Quellen
- Aleman M, et al. Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM). University of California, Davis – Center for Equine Health.
- University of California, Davis – Veterinary Genetics Laboratory (VGL): PSSM1 Genetic Test.
- Valberg SJ. Forschung zu Polysaccharid-Speicher-Myopathien beim Pferd.
- American College of Veterinary Internal Medicine (ACVIM).
- Aktuelle Veröffentlichungen zum Ernährungsmanagement bei neuromuskulären Erkrankungen des Pferdes, University of California, Davis.
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